Reszension der Zeitung "Keyboards" vom September '95 :

Ein junges Trio aus Aachen und Berlin stellt sich vor:

- Thomas Bechholds ( Synthesizer, Orgel, Piano, Vocoder)
- Michael Seitz ( E - Drums, Percussion, Synthesizer)
- Jürgen Winter ( Gitarren) - und dazu ein Gast namens Bernd Kistemann.

Eine Besetzung, die mehr nach handgespieltem Rock riecht als nach programmierten Sounds ?  Sollten Sie diesen Eindruck haben, liegen Sie gar nicht falsch. Denn die Elektronik spielt in diesen acht Instrumentals ( 0:41 - 14:21) wirklich nur eine Rolle unter vielen. Warum dann aber diese Rezension in einem strikt der Elektronik gewidmeten Musik-Journal ? Eine Frage, die leicht und schnell beantwortet ist: die Debütanten fühlen sich unverkennbar dem Kunstrock der 70er Jahre verpflichtet, der sich vor allem in der EM - Gemeinde noch immer besonderer Beliebtheit erfreut.

Kompositionsstrukturen und Klangfarben verweisen auf Genesis und Yes. Aber man müßte die Band wohl erstmal live erlebt haben, um sich ein authentisches Bild von ihr zu machen, zumal sich Bechholds, Seitz und Winter offenbar erst auf einer Bühne wirklich zu Hause fühlen.

Im Info zu drei Aachener Konzerten von Valley Forge heißt es: " Wir bauten eine Bühne auf, die unter anderem mit 12 Computer-Scannern, mehreren Duzend Scheinwerfern, einer 30 qm großen Leinwand, Nebelmaschinen und drei Lasern ( bis 2 Watt ) bestückt war. So ereichten wir ein Publikum, welches mit EM gar nichts im Sinn hat, bzw. sie nicht kennt. Die Presse kreierte den Begriff der "psychedelischen elektronischen Musik" oder halt " Ruhige Rockmusik".

Die Presse hatte ausnahmsweise recht. Bleibt die Frage, ob die Valley Forge - Sounds den technischen Aufwand rechtfertigen. Aber keine Sorge, sie tun es, und schon der ausschweifende Opener dieses Albums ( "The Entrance", 14:21) beweist 's: mit reichlich Pathos aufgeladene Akkordfolgen und ein vorwiegend als Solo-Instrument genutzter Moog   ( war's das Orginal oder ein patentiertes Synthi-Preset  ? )   der sich bisweilen gebärdet, als habe Rick Wakeman in die Tasten gefaßt, leiten über in ein Instrumental, in dem zu Beginn eine zarte Akustik-Gitarre und gegen Ende ein heftiges Drumgedonner die "Stimmung " bestimmen.

Ein vielversprechender Einstand ist das - uns sicher nicht das letzte Lebenszeichen von Valley Forge. Wir freuen uns schon auf das nächste...